Was ist Variantenmanagement und welche Vorteile bietet es Ihrem Unternehmen?

Variantenmanagement ist der Schlüssel zur Kostenreduktion im Produktlebenszyklus. Strategisch geplant, ist Variantenmanagement ein wertvolles Werkzeug, um dem Unternehmen einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu geben. Das Variantenmanagement soll strategisch in wiederkehrenden Planungszyklen die angestrebte Variantenvielfalt festlegen. Das Ziel des Variantenmanagements ist eine messbare Gewinnsteigerung bei gleichzeitiger Eröhung der Kundenzufriedenheit.

Um zu verstehen wie Variantenmanagement funktioniert, muss zunächst erläutert werden, warum Varianten entstehen. Die Grundlage für jede Variatengeneration ist ein internationales kompetitives Marktumfeld. Nur Konkurrenz schafft Anreize für ein Unternehmen, genauer auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen.

Demnach sollte ein Unternehmen für jeden Kundenwunsch das individuell zugeschnittene Produkt produzieren. Volkswagen hat das versucht – und das Resultat? –
117 Lenkradvarianten und 341 Vordersitzkombinationen im Golf VI. Wieso also Variantenmanagement?
341 Vordersitzkombinationen mit 117 Lenkradvarianten ergibt bereits knapp 40.000 verschiedene Fahrzeuge. Nun besteht ein Fahrzeug aus wesentlich mehr Einzelteilen als nur Lenkrädern und Vordersitzen…
Volkswagen hat 2,850 Millionen Golf VI in 4 Jahren gebaut. Theoretisch hätten sie 614.000 Jahre lang in diesem Tempo produzieren können ohne auch nur ein identisches Fahrzeug zu produzieren. Überhaupt nur die Möglichkeit, diese Anzahl an Varianten verwalten zu können verlangt mehr als nur eine Exceltabelle. Volkswagen benötigt ein anspruchsvolles Variantenmanagement. Zu sehen ist dies heute.
Beim Golf VII wurden die Varianten deutlich reduziert. Volkswagen verschlankt sich. Unnötige und wahrscheinlich teure Varianten werden vom Variantenmanagement eliminiert. Der Rest wird sinnvoll verwaltet. Variantenmanagement ist der Weg zu einer besseren Gewinnspanne und einem insgesamt gesünderen und strukturierteren Unternehmen.

 

Abb. 1: Gewinnmaximierung im variantenreichen Umfeld
Je mehr Varianten verwaltet werden, desto mehr Kosten entstehen. Um jedoch möglichst viele individuelle Kundenwünsche zu bedienen, braucht es viele Varianten. Ziel ist es also, so viel wie nötig und so wenig wie möglich Varianten zu verwalten. Mit der optimalen Anzahl wird der Gewinn maximiert.

 

Strategisches Variantenmanagement im Unternehmen ist die Basis für eine optimierte Produktplattform.

Bei INVENSITY ist ein flexibles Prozess-Framework entstanden, das sich zum einen an die Regeln von ASPICE REU.2 hält, zum anderen anwendbar auf verschiedene Produkte einer Familie ist.

 

Abb. 2: Der Kostenvorteil von Systemfamilien

 

System Familien bieten, nach einer anfänglichen Investition schnell einen Kostenvorteil gegen über einzelnen Produkten. Ein skalierbarer Faktor kann zum Beispiel die Größe einer Bremsscheibe darstellen, die sich auf die Anforderungen verschiedener Fahrzeugtypen anpassen lässt.

Was heißt das in der Praxis? Wir können flexibel auf individuelle Kundenwünsche und Variationen reagieren – ohne den Kostenfaktor wie bisher unkalkulierbar zu machen.

 

Lucas Möhl
Systems Engineer – Process Development
INVENSITY GmbH

„Erstellung eines Entwicklungsprozesses von Hard- und Software Wiederverwendung für die Automobilindustrie“
THM Technische Hochschule Mittelhessen, 2017
Betr. Dozent Prof. Schuchard